Vorlesen für kleine Kinder

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Für kleine Kinder ist Vorlesen mehr als nur eine Hilfe beim Einschlafen: Es fördert auch eine gesunde Entwicklung. Sie lernen durch Vorlesen zum Beispiel die Sprache kennen. Tipps, wie das Vorlesen für kleine Kinder ein unvergessliches Erlebnis wird, finden Sie hier.

Die Welt mit Fantasie gestalten: Deshalb ist Vorlesen für kleine Kinder so wichtig

Mit Sicherheit erinnern auch Sie sich noch an ein oder zwei ganz besondere Bücher, die Ihnen Oma, Opa oder Ihre Eltern vielleicht mit der ganzen Familie zusammen vorgelesen haben. Diese Bücher vergisst man sein ganzes Leben nicht, selbst wenn man die als Baby oder kleines Kind vorgelesen bekam.

Warum ist das so? In der Regel erinnert man sich so gut an diese Geschichten, weil der Opa mit hoher und krächzender Stimme die böse Hexe imitierte oder die Mama wie eine Ziege meckerte: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt…“.

Vorlesen ist wichtig für kleine Kinder, weil sie dabei in ihrem Kopf eine eigene Welt erschaffen können. Und die Helden dieser Welt sind keine Schauspieler wie im Film, sondern Figuren, welche sich die Kinder selbst vorstellen. Kleine Kinder entwickeln so ein Gefühl für ihre eigene Kreativität. Vorlesen mit der Familie hilft also, diese Kreativität weiterzuentwickeln.

 Durch das Vorlesen lernt ein kleines Kind und sogar ein Baby die Struktur der Sprache kennen.

Durch das Vorlesen lernt ein kleines Kind und sogar ein Baby die Struktur der Sprache kennen. (#01)

Ein weiterer Vorzug: Durch das Vorlesen lernt ein kleines Kind und sogar ein Baby die Struktur der Sprache kennen. Gerade bei einem Baby wird so das Verständnis von Lauten gefördert. Reime sind dabei besonders hilfreich, denn sie sind selbst für kleine Kinder leicht verständlich. Durch regelmäßiges Vorlesen wird außerdem der Wortschatz eines Kindes stetig vergrößert.

Vorlesen ist aber nicht nur für die Entwicklung des Sprachgefühls hilfreich. Wenn sich die Familie täglich für zum Beispiel eine Stunde Zeit zum Vorlesen nimmt, dann fördert das auch die Kommunikations- und die Konzentrationsfähigkeit des Kindes und auch des Vorlesers. Dazu lernen kleine Kinder soziale Kompetenzen zu entwickeln, denn selbst Kinderbücher haben immer eine wichtige Botschaft.

Ob „Der Regenbogenfisch“ oder auch die verschiedensten Märchen: in den Geschichten taucht immer ein Problem auf, das gelöst werden muss. Die Geschichten bieten in ihrem Verlauf dann eine mögliche Lösung an. So lernen Kinder, wie man Probleme angeht und dann lösen kann.

Bücher helfen kleinen Kindern zudem, die Welt mit ihren unterschiedlichen Kulturen, Problemen und Menschen kennenzulernen. Und nicht zuletzt ist das Vorlesen eine überaus positive Erfahrung für das Baby oder das Kind: Gekuschelt an Mama oder Papa, im Kreis der Familie, wird bei der Reise in eine eigene Welt besondere Geborgenheit, Wärme und Sicherheit vermittelt.

Mit dem Vorlesen kann man eigentlich nie früh genug anfangen. (#02)

Mit dem Vorlesen kann man eigentlich nie früh genug anfangen. (#02)

Das richtige Buch für das richtige Alter: Was mag ein Baby und was liest ein Schulkind?

Mit dem Vorlesen kann man eigentlich nie früh genug anfangen. Schon vor dem ersten Geburtstag profitiert ein Baby davon. Besonders Pappbücher sind für diese Altersgruppe ideal. So kann ein Baby einen ersten Kontakt mit Büchern haben. Gemeinsam mit dem Baby sollten sich Eltern die Bücher anschauen und dazu etwas erzählen. Auch lustige Fingerspiel, Reime und Lieder helfen Ihrem Baby dabei, Laut- und Sprachstrukturen zu erkennen.

Für kleine Kinder ab etwa drei Jahren werden Bücher mit Bildern dann immer wichtiger. Kleine Kinder nehmen in diesem Alter die Welt schon sehr visuell wahr und können mit Hilfe der Bilder im Buch ihre eigene Welt erschaffen. Einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen bei der Bücherauswahl gibt es in diesem Alter kaum. Märchen zum Beispiel eigenen sich für jedes Geschlecht und die Märchenbücher werden innerhalb einer Familie oft weitergegeben.

Ab dem vierten oder fünften Lebensjahr entwickeln sich bei kleinen Kindern dann oft geschlechtsabhängige Interessen. Eltern sollten ihren Kindern ab diesem Zeitpunkt zuhören und auf ihre Buch- und Geschichtswünsche eingehen. Bei den Mädchen sind das in der Regel Bücher über Prinzessinnen, Jungs begeistern sich oft für Feuerwehrautos und Bagger. Heute steuern viele Eltern diesen geschlechterspezifischen Themen entgegen. Egal, wie Sie es halten: Das wichtigsten beim Vorlesen ist, dass Sie und Ihr Kind Spaß daran haben.

Im Grundschulalter verlieren kleine Kinder oft den Spaß am Vorlesen. Warum ist das so? Eigentlich lässt es sich ganz einfach erklären: War das (Vor)lesen am Anfang noch ein spannendes Abendteuer, ist Ihr Kind nun mit den Mühen des selber Lesens konfrontiert. Wenn ein Kind für einen Absatz fünfzehn Minuten braucht, dann führt das schnell zu Frustration. Gerade in dieser Zeit sollten Eltern ihrem Kind weiter vorlesen. Das ist vor allem deswegen wichtig, weil kleine Kinder in dem Alter eben noch keine eigene Lesekompetenz haben und zum Lesen motiviert werden müssen.

Vielen Eltern ist das Vorlesen leider zu anstrengend. Eine Studie fand heraus, dass nur der Hälfte der Schulkinder regelmäßig vorgelesen wird. Bis zum Ende der Grundschule ist das aber enorm wichtig, denn auch Medien wie Computerspiele, Fernsehen oder Apps können das Vorlesen nicht ersetzten. Sie fördern zwar verschiedene Kompetenzen wie zum Beispiel die Konzentrationsfähigkeit, aber eben nicht die gleichen wie das Vorlesen. Tatsächlich sind Kinder, denen in jungem Alter vorgelesen wurde, sind im Durchschnitt eine Drittel Schulnote besser, als die Kinder, denen nicht vorgelesen wurde.

Tatsächlich sind Kinder, denen in jungem Alter vorgelesen wurde, sind im Durchschnitt eine Drittel Schulnote besser, als die Kinder, denen nicht vorgelesen wurde.(#03)

Tatsächlich sind Kinder, denen in jungem Alter vorgelesen wurde, sind im Durchschnitt eine Drittel Schulnote besser, als die Kinder, denen nicht vorgelesen wurde.(#03)

Lesen und Vorlesen für kleine Kinder: Tipps für ein tolles Vorleseerlebnis

Hier finden Sie ein paar hilfreiche Tipps, die das Vorlesen für Eltern, Kinder und die ganze Familie zu einem positiven Erlebnis wird.

  1. Ein ruhiger Ort ist ein Muss
    Kleinen Kindern eröffnet sich bei Vorlesen eine fantastische Welt. Um ganz in dieser Welt schwelgen zu können, brauchen sie eine ruhige Atmosphäre. Eltern sollten sich zum Vorlesen also eine stillen, ruhigen Ort suchen. Besonders eigenen sich ein klassischer Schaukelstuhl und natürlich das eigene Bett, in dem man sich aneinanderkuschen kann.
  2. Kinder sollten sich ihren Lesestoff selbst aussuchen können
    Wenn das eigene Kind schon alt genug ist, sollten die Eltern es bei der Auswahl des Buches mitreden lassen. Oft brauchen Kinder Geschichten über ganz bestimmte Erlebnisse. Berücksichtigt man ihre Wünsche dann, ist die Vorfreude gleich noch größer. Wenn Kinder merken, dass ihre Wünsche berücksichtigt werden, entwickeln sie sich zu selbstbewussten, jungen Lesern.
  3. Zwischenfragen sind erlaubt und erwünscht
    Es sollte dem Kind jederzeit erlaubt sein, Fragen zur Geschichte zu stellen. Erlauben Sie also Unterbrechungen. Sie zeigen, dass der Text Ihr Kind emotional beschäftigt und es aufmerksam zuhört.
  4. Den richtigen Moment finden
    Eltern sollten ihren Kindern am besten jeden Tag um die gleiche Zeit etwas vorlesen, da sich so eine gewisse Routine einstellt. Gut eignet sich der Abend. Man kann sich gemeinsam ins Bett kuscheln und den Tag entspannt ausklingen lassen. Nach dem Mittagessen ist ebenfalls ein guter Zeitpunkt, da man durch das Vorlesen einen Moment Entspannung und Ruhe vor einen turbulenten Nachmittag gewinnt.
  5. Jedem Kind das eigene Tempo lassen
    Das Vorlesen sollten Eltern niemals als Aufgabe, die schnellstmöglich erledigt werden muss, sehen. Selbst kleine Kinder spüren instinktiv, ob es tatsächlich um sie geht oder ob die Eltern nur eine Art Pflichtprogramm absolvieren. Geben Sie Ihrem Kind also Zeit, die Geschichte zu begreifen und hetzten Sie es nicht dabei.

Bildnachweis:© Fotolia-Titelbild: Ingo Bartussek-#01:detailblick-foto-#02:detailblick-foto-#03detailblick-foto:

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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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