Handy ohne Vertrag: Tücken und Trends 2019/2020

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Apple, Samsung oder Huawei: Sie alle bieten ein statusträchtiges Smartphone, für das um 1000 Euro beim Erwerb fällig werden. Soll ein neues Modell gekauft werden, stellt sich daher die Frage: Lieber ein Handy ohne Vertrag?

Handy ohne Vertrag: Ein teurer Spaß?

Wer ein neues Handy kaufen möchte, orientiert sich meist an den Großen der Branche. Zur Auswahl stehen Apple iPhone 11, Samsung Galaxy S10, Huawei P30 pro und Huawei Mate 20X 5G. Welches technisch gesehen die beste Wahl ist, macht nur eine Seite der Kaufentscheidung aus. Doch wie sieht es mit dem Preis aus? Handy ohne Vertrag kaufen oder besser als Bundle mit selbst gewähltem Tarif erwerben?

 

Die genannten Smartphones bewegen sich im Preisbereich um 1000 Euro, was für die meisten Interessenten nicht gerade günstig ist. Zur Wahl steht nun, das Handy ohne Vertrag zu kaufen oder sich an einen Tarif zu binden. Bei letzterer Variante ist die Finanzierung kein Problem, denn es gibt entsprechende Angebote bereits ab elf Euro im Monat für ein solches „Status-Smartphone“. Große Vergleichsportale, die wie Verivox Angebote für ein Handy ohne Vertrag untersuchen und darstellen, zeigen aber, dass auch namhafte Mobiltelefone zu einem geringen monatlichen Preis erhältlich sind.

Sogar mit Zubehör! Der geringe monatliche Preis rührt auf der Umlage auf eine Vertragsbindung mit mindestens 24 Monaten, danach verlängert sich der Vertrag automatisch, wenn er nicht gekündigt wird. Eine Milchmädchenrechnung, die darauf spekuliert, dass der Kunde an den Anbieter gebunden wird und eher ein neues Smartphone aussucht, als dass er den Vertrag kündigt.

Je nach gewähltem Tarif kann das aber teuer werden und die Gesamtkosten belaufen sich später auf deutlich mehr, als für den Kauf des Telefons und bei freier Tarif- und Anbieterwahl angefallen wären. Also doch lieber das Handy ohne Vertrag wählen? Vielleicht mit einer Prepaid-Karte, um die Kosten kontrollieren zu können? Das ist vor allem für Eltern eine Option, wenn sie den Kindern aktuelle Modelle bieten wollen, die das neueste Betriebssystem ebenso bieten wie die Top Kamera für das beste Foto aller Zeiten. Welche Variante gewählt wird, ist allerdings auch eine Frage des Typs:

Je mehr Datenvolumen verbraucht wird, desto eher lohnt sich ein Bundle aus Vertrag und Telefon. (Foto: Shutterstock- Iakov Filimonov )

Je mehr Datenvolumen verbraucht wird, desto eher lohnt sich ein Bundle aus Vertrag und Telefon. (Foto: Shutterstock- Iakov Filimonov )

Wenignutzer

Ein kleiner Pakettarif ist oft ausreichend, wenn das Smartphone für einen Einsteiger, für Kinder oder Wenignutzer gedacht ist. Hier gibt es zum Beispiel Angebote für 500 MB oder für 100 Minuten in alle Netze. Solche Tarife kosten teilweise weniger als fünf Euro im Monat. Wenignutzer kommen oft günstiger, wenn sie das Smartphone sowie nötiges Zubehör separat kaufen, auch wenn der Kaufpreis dann auf einmal zu zahlen ist.

Nutzer von Allnet-Flatrates

Wer öfter mobil im Internet unterwegs ist und dabei bis zu zwei Gigabyte im Monat an Datenvolumen verbraucht, kommt mit dem separaten Kauf von Handy ohne Vertrag und dem Abschluss eines passenden Tarifs meist günstiger weg. Solche Tarife sind für unter 10 Euro im Monat zu buchen. Per App lässt sich der aktuelle Datenverbrauch sowie der Verbrauch an SMS und Freiminuten ablesen, daraus kann eine Buchungsoption für die Zukunft abgeleitet werden. Wer sich verschätzt und mehr Daten verbraucht als bezahlt, muss einen deutlich höheren Preis zahlen, außerdem wird die Downloadrate arg gedrosselt.

Bundles für Vielnutzer

Je mehr Datenvolumen verbraucht wird, desto eher lohnt sich ein Bundle aus Vertrag und Telefon. Intensivnutzer, die häufig Videos in hoher Qualität anschauen wollen und denen es auf eine höchstmögliche Geschwindigkeit beim Download ankommt, sollten einen Vertrag abschließen. Wichtig: Nicht von der Werbung blenden lassen, denn die angebotenen LTE-Downloadraten sind nicht überall zu erreichen. Außerdem ist das Netz der günstigen Anbieter gerade im ländlichen Raum nicht so gut ausgebaut und es muss auf die großen Namen wie Telekom und Vodafone zurückgegriffen werden.

Tipp: Wer nach 24 Monaten nicht den Kauf eines neuen Handys plant, sollte den bestehenden Vertrag unbedingt kündigen. Denn der Anbieter verlangt auch weiterhin die bisherige Rate, die nächste Kündigungsmöglichkeit besteht dann meist erst wieder mit Ablauf eines Jahres.

 Eltern tun gut daran, beim Kauf des Smartphones die Vernunft walten zu lassen. (Foto: shutterstock -AlohaHawaii )

Eltern tun gut daran, beim Kauf des Smartphones die Vernunft walten zu lassen. (Foto: shutterstock -AlohaHawaii )

Prepaid-Karte ohne Vertrag?

Spätestens nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule brauchen Kinder ein eigenes Smartphone. Viele Schulen bieten Apps an, über die die Vertretungspläne zugänglich sind, auch wichtige Bekanntmachungen werden online getätigt. Wer hier kein eigenes Handy hat, ist oft aufgeschmissen. Das gilt auch für die „Fahrschüler“, also Kinder, die mit Bus, Bahn oder Taxi nach Hause fahren. Sie sind auf das Mobiltelefon angewiesen, um Fahrt- und Abholzeiten zu klären.

Auf der anderen Seite steht der Wunsch der Eltern, die Kinder zu einer bewussten Mediennutzung zu erziehen. Sie sollen das Smartphone im besten Fall nur dafür nutzen, den Service des ÖPNV oder den Vertretungsplan einzusehen, vielleicht noch per WhatsApp einen Plausch mit den Mitschülern halten. Doch die Realität sieht anders aus und es laufen ununterbrochen Musik und Videos auf den Telefonen. Das kann teuer werden!

Eltern tun gut daran, beim Kauf des Smartphones die Vernunft walten zu lassen. Sie sollten überlegen, was wirklich benötigt wird: Soll es ein Smartphone mit hochauflösender Kamera sein, die ein exzellentes Foto erlaubt? Oder reicht auch ein Telefon, mit dem lediglich Nachrichten verschickt werden können und das natürlich zum Telefonieren taugt?

Angesichts der ständigen Vergleiche der Kinder untereinander wird es beim Kauf bzw. beim Vergleich der Angebote ohnehin darauf hinauslaufen, dass nicht der beste Service im Mobilfunkshop für die Entscheidung wichtig ist, sondern das Zubehör sowie die Features, die das Telefon mitbringt.
Welches Betriebssystem es hat, welche Kamera, ob sich ein Foto auch verschicken lässt, wie gut sich das Handy mit dem Internet verbunden lässt: Diese und weitere Punkte sind für Kinder eher relevant als die Frage, zu welchem Preis das alles zu bekommen ist.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien ist bereits von Zehnjährigen zu erwarten, wenn sie es denn gelernt haben. (Foto-Shutterstock: Syda Productions )

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien ist bereits von Zehnjährigen zu erwarten, wenn sie es denn gelernt haben. (Foto-Shutterstock: Syda Productions )

Einige Mobilfunkanbieter offerieren die Prepaid-Karte ohne Vertrag für Smartphones. Streng genommen ist es zwar doch ein Vertrag, der hier eingegangen wird, denn das Geld wird monatlich von der Prepaid-Karte abgebucht. Es handelt sich um einen festen Betrag, der Vertrag kann zum Ablauf des nächsten Monats gekündigt werden. Die Kündigungsfristen sind unterschiedlich lang und reichen von einer Woche bis zu vier Wochen. Der Vorteil daran ist, dass das Kind das Telefon und die vorhandenen Daten nutzen kann.

Ein Beispiel von Vodafone: Hier gibt es für 9,99 Euro derzeit 2,5 GB Daten pro Monat. Dazu kommen 200 Freiminuten oder 200 SMS. Für Kinder oder Jugendliche durchaus ausreichend und die Kosten sind überschaubar. Braucht der Nachwuchs mehr Freiraum bzw. mehr Datenvolumen, kann er sich das vielleicht durch kleine Arbeiten im Haus oder Garten verdienen. Dies stellt damit eine Möglichkeit dar, den Kindern Werte zu vermitteln und sie dafür zu sensibilisieren, dass diese Werte nicht von ungefähr kommen, sondern erarbeitet werden müssen.

Welches Smartphone ist das richtige?

Es muss nicht nur die Frage entschieden werden, ob das aktuelle Modell eines angesagten Herstellers das richtige Modell für das Kind ist. Es geht auch darum, welches Smartphone die nötigen Features mitbringt und welches Modell demzufolge geeignet ist. Besonders günstig sind natürlich Modelle aus vergangenen Jahren erhältlich, doch nicht selten wird für diese der Service seitens des Herstellers nur noch eingeschränkt angeboten. Auch das Betriebssystem kann bereits veraltet sein.

Die Infografik zeigt anschaulich die Handynutzung in Deutschland.

Die Infografik zeigt anschaulich die Handynutzung in Deutschland.

Apropos Betriebssystem: Android oder iOS? Wer es günstiger mag, sollte zu Android greifen, damit fallen die Apple-Modelle allerdings aus der engeren Wahl heraus. Allerdings kann auch Android sehr teuer werden, wie das aktuelle Samsung Galaxy S10 zeigt.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien ist bereits von Zehnjährigen zu erwarten, wenn sie es denn gelernt haben. Dann sind Mobiltelefone zudem ausreichend früh zu kaufen, denn vorher sollten Kinder ohnehin nur höchstens eine halbe bis eine Stunde vor dem Bildschirm zubringen dürfen.

Umfragen haben aber ergeben, dass sogar schon Grundschulkinder per WhatsApp mit ihren Mitschülern und Freunden in Kontakt bleiben und das, obwohl sie sich täglich sehen. Das Smartphone ist damit zum wichtigen Kommunikationsmittel geworden. Allerdings auch zum Druckmittel, denn wer keines vorweisen kann, wird direkt als benachteiligt gesehen.

Um eine Entscheidung zu treffen, welches Telefon die beste Wahl ist, helfen die folgenden Punkte:

  • Je jünger das Kind ist, desto weniger hochwertig muss das Telefon sein. Lieber an Stoßfestigkeit und Displayschutz als an die
  • Kamera und das tolle Foto denken!
  • Prepaid- oder Kindertarife nutzen
  • Bei älteren Kindern sollten verschiedene Apps nutzbar sein.
  • Das Telefon sollte die Nutzung von Zubehör (z. B. Kopfhörer) zulassen.
  • Besser ein handliches Modell wählen – größere Modelle laufen schneller Gefahr, fallen gelassen zu werden.
  • Bei kleineren Kindern auf intuitive Bedienung achten.
  • Es sollte auch noch in naher Zukunft ein Service für das Modell angeboten werden.
  • Es gibt viele aktuelle Modelle von Mobiltelefonen, die auch für Kinder geeignet sind.
Es gibt viele aktuelle Modelle von Mobiltelefonen, die auch für Kinder geeignet sind. Leider kollidieren die Vorstellungen von Eltern und Kindern nicht selten miteinander. (Foto: Shutterstock- wrangler )

Es gibt viele aktuelle Modelle von Mobiltelefonen, die auch für Kinder geeignet sind. Leider kollidieren die Vorstellungen von Eltern und Kindern nicht selten miteinander. (Foto: Shutterstock- wrangler )

Leider kollidieren die Vorstellungen von Eltern und Kindern nicht selten miteinander. Während die Eltern den praktischen Nutzen des Telefons sehen, steht für die Kinder der Unterhaltungs- und Prestigewert im Fokus. Angesichts dessen, dass Kinder und Jugendliche aber auch sehr hochwertige Telefone gern verlieren, fallen lassen oder anderweitig beschädigen, muss allerdings bei der Anschaffung auch der Geldbeutel der Eltern mitreden dürfen.Das Handy ohne Vertrag ist nach diesen Vorbetrachtungen als Prepaid für Kinder günstiger. Dennoch gibt es weitere Möglichkeiten, um den Kindern das aktuelle Smartphone zu ermöglichen und dennoch günstig wegzukommen. Teilweise beinhalten die Angebote die Vergabe einer Partnerkarte, mit der ein zweites Telefon betrieben werden kann. Das ist je nach Anbieter ohne Zusatzkosten möglich. In dem Fall muss das Telefon natürlich gekauft werden, eine Finanzierung über den ersten Vertrag ist nicht machbar.
Infografik: Handynutzung in Deutschland für Handy Festverträge

Infografik: Handynutzung in Deutschland für Handy Festverträge.

Fazit: Handy ohne Vertrag oder mit?

Ein Handy ohne Vertrag ist in vielen Fällen günstiger. Das gilt vor allem dann, wenn der Nutzer nur wenig surft und telefoniert und wenn der Kauf eines bestimmten Modells im Rahmen einer Angebotsaktion oder durch anderweitig begründete niedrige Preise stattgefunden hat. Ein sehr teures Modell wird auch bei der Finanzierung über einen Vertrag nicht zu einer Günstig-Variante, denn die monatlich zu zahlenden Raten werden verständlicherweise nach oben angepasst.

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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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