Familien heute: Der Alltag ist durchgeplant bis zur letzten Minute

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Während unsere Eltern ihre Kindheit vor allem zusammen mit ihren Geschwistern und Freunden beim Spielen auf der Straße verbracht haben, hat sich unser Familienalltag im Laufe der Jahre extrem gewandelt. Heute verbringen die lieben Kleinen einen Großteil ihrer Zeit beim Sport, in der Musikgruppe oder bei Freunden. Um den Terminplan ihrer Kinder und den eigenen Kalender unter einen Hut zu bekommen, müssen manche Eltern ganz schön rotieren.

Leben nach Stundenplan

Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden haben Eltern im Jahr 2012/2013 in Deutschland rund 24 Prozent der gemeinsamen Zeit darauf verwendet, ihre Kinder zu deren Terminen zu begleiten. Das entspricht rund 2 Stunden und 13 Minuten pro Woche und beinhaltet sowohl den Weg zum Termin, als auch die Zeit vor Ort. Im Rahmen der Statistik variiert natürlich der Betreuungsumfang je nach Elternteil und mit dem Alter der Kinder. Insgesamt betreuten Mütter und Väter im erhobenen Zeitraum ihre Kinder unter 18 Jahre aber täglich im Durchschnitt rund 1 Stunde und 20 Minuten. Damit in der knappen Zeit alles reibungslos funktioniert, sind viele Familien durchgeplant bis auf die letzte Minute.

Ist es gut organisiert, muss Ihr Familienleben allerdings ganz und gar nicht durch Zeitnot oder Stress geprägt sein und dass das ganz leicht geht, zeigen wir Ihnen im Folgenden anhand von ein paar einfachen Tipps und Tricks.

Zunächst einmal führen verschiedene Aspekte zu Zeitdruck und Stress. Überlegen Sie doch einmal, welche der folgenden Situationen Sie in den vergangenen Wochen erlebt haben:

Zu wenig Zeit eingeplant

Manchmal beginnt der Stress bereits am Frühstückstisch. Während Ihr Kind noch halb verschlafen träumend in seinen Cornflakes rumrührt, stehen Sie schon unter Strom und hören die Uhr ticken, weil Sie schon bald los müssen in Richtung Kindergarten, Schule oder Arbeit. Sie haben die Zeit zu knapp kalkuliert und werden immer hektischer. Das überträgt sich dann natürlich auf Ihre Familie und der erste Streit des Tages ist vorprogrammiert.

Da sind wohl die Tage viel zu voll mit Terminen gepackt.

Viel zuviele Termine an einem Tag! (#01)

Vollgepackter Terminplan

Impftermin beim Kinderarzt, Schuhe vom Schuster abholen, Friseurtermin vereinbaren, Einkaufen: Wenn Sie einen vollgepackten Terminplan für den Tag haben, fehlt Ihnen in der Regel der Spielraum für Unvorhergesehenes und Sie stehen schon morgens unter Druck. Dann dauert es meist nicht lange und Sie verfallen in Hektik und Stress.

Überblick verlieren

Oftmals sind es gerade die kleinen unscheinbaren Aufgaben und Situationen, die Sie im Alltag viel Zeit kosten ohne dass Sie es merken. Eigentlich wollten Sie nur die Wäsche zusammenlegen und in den Ihren Kleiderschrank räumen und nach einer Stunde merken Sie, dass Sie den ganzen Schrank ausgeräumt und Sachen aussortiert haben. Das ist natürlich nicht verkehrt, aber es stand nicht auf Ihrem Tagesplan und nun fehlt Ihnen Zeit, die Sie für andere Sachen geplant hatten.

Alltagssituationen wie diese und natürlich noch viele andere führen heute zu Stress und Streitigkeiten in Familien. Oftmals sind aber auch die eigenen Ansprüche das Problem. Viele Eltern wollen heute gern perfekt sein und alles richtigmachen. Dabei unterschätzen sie nicht selten den zeitlichen Aufwand der mit diesem Anspruch einhergeht und den Druck, den sie sich selbst machen.

Wenn Sie sich häufig gestresst oder wie ein Hamster im Laufrad fühlen, sollten Sie versuchen, Ihren Alltag durch gezielte Organisation zu entschleunigen. Versuchen Sie die Stressfaktoren in Ihrer Familie zu erkennen und durch Veränderungen bewusst zu beseitigen. Meist reichen schon kleine Schritte, um mehr Gelassenheit und Ruhe zu erzeugen und in der Regel dauert es gar nicht lange, bis man eine Routine und Sicherheit in den neuen Abläufen erreicht hat

Zeit für Veränderung . Auch für die Familien von heute sollte es immer möglich sein Veränderungen anzugehen

Zeit für Veränderung . Auch für die Familien von heute sollte es immer möglich sein Veränderungen anzugehen (#02)

Überblick: Wie Sie unnötigen Zeitdruck im Alltag vermeiden können:

1. Planen Sie bei einer Tasse Kaffee oder Tee in Ruhe gemeinsam mit Ihrer Familie den kommenden Tag oder die Woche. Dabei können Sie besprechen, welche Termine geplant sind und welche Aufgaben erledigt werden müssen. Damit Sie bei der Verteilung den Überblick behalten, eignen sich beispielsweise Familienplaner mit den Fotos Ihrer Familienmitglieder. So findet sich jeder schnell und weiß, was er zu tun hat.

2. Planen Sie Ihren Tag nicht durch. Lassen Sie lieber hier und da eine Lücke, damit Sie auch bei Verschiebungen oder Änderungen durch einen Stau, die nette aber unglaublich langsame alte Dame, die vor Ihnen an der Supermarktkasse alles aufhält oder durch einen langen Anruf ihrer besten Freundin nicht hektisch werden müssen. Wenn Sie genug „Puffer“ in Ihre Planungen einbauen, bleiben Sie entspannt und wenn alles glatt läuft können Sie noch eine Kaffee- oder Teepause einlegen.

3. Stehen Sie morgens lieber etwas früher auf, damit Sie nicht unter Zeitdruck in den Tag starten. Wenn Ihr Kind zum Träumen und Trödeln neigt, können Sie es zudem mit kleinen Wettbewerben wie „wer zuerst aufgegessen hat, hat gewonnen“ anspornen schneller zu sein und dadurch auch ein wenig Zeit sparen.

4. Geben Sie Aufgaben ab und lassen Sie auch mal Ihre Kinder das Abendessen vorbereiten. Kinder lernen vor allem durch Erfahrungen und natürlich durch Erfolg. Wenn Sie Ihnen die wichtige Aufgabe übertragen, das Essen vorzubereiten, werden Sie sich große Mühe geben und stolz das Gefühl haben, auch einen Teil zum Familienalltag beitragen zu können.

Diese Famamiele hat es geschafft. Sie haben ihren Tag so geplant, dass sie gemeinsam essen können

Diese Familie hat es geschafft: Sie haben ihren Tag so geplant, dass sie gemeinsam essen können (#03)

5. Feste Essenszeiten in der Familie helfen Ihnen den Tag zu strukturieren und stärken zudem das Zusammengehörigkeitsgefühl Ihrer Familie. Gerade für Kinder sind gemeinsame Gespräche über die Tagespläne oder am Abend die Auswertung der Erlebnisse ein wichtiger Faktor im Familienleben.

6. Fahrgemeinschaften können sehr hilfreich sein, wenn es um das Fußballtraining oder die Theatergruppe Ihrer Kinder geht. Eine Woche übernehmen Sie den Fahrdienst und die nächste Woche ein anderes Elternpaar. So vermeiden Sie Autokolonnen vor der Trainingshalle und können die freie Zeit beispielsweise für einen geplanten Arztbesuch, den Einkauf oder ein Treffen mit Ihren Freunden nutzen.

7. Wichtig ist auch, dass Sie nicht zu viele Aufgaben – Kuchen für den Kindergarten oder belegte Brötchen für das Sportfest in der Schule – übernehmen und auch mal „Nein“ sagen.

8. Setzen Sie Prioritäten. Manchmal muss das Bad eben warten und wenn Sie die Wäsche erst am Abend waschen, ist das auch nicht schlimm. Konzentrieren Sie sich möglichst auf eine Sache, denn wenn Sie versuchen, alles auf einmal zu erledigen, kommen Sie schnell durcheinander und verlieren Zeit durch unkoordinierte Wege.

Außerdem ist es gerade bei der Betreuung Ihrer Kinder wichtig, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht auf die Hausaufgaben und gleichzeitig auf die Bügelwäsche richten. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Kind und dessen Hausaufgaben und schenken sie ihm Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

9. Wenn Sie eine durchgeplante Woche haben, sollten Sie versuchen, Ihre Wochenenden möglichst ohne Termindruck zu gestalten. Besprechen Sie doch einfach spontan am Frühstückstisch, worauf Sie und ihre Familie Lust haben.

Bei gut organisiertem Tagesablauf, bleibt auch Zeit für Freizeitaktivitäten, wie z B Eisessen

Bei gut organisiertem Tagesablauf, bleibt auch Zeit für Freizeitaktivitäten, wie z B Eis essen (#04)

10. Planen Sie auch bewusst Zeit für sich selbst ein. Ein Cafébesuch ohne Kinder, nur zum Zeitungslesen, eine Stunde durch die Einkaufsstraße schlendern oder ohne Termindruck im Hinterkopf eine Runde Joggen gehen entschleunigt, tut gut und gibt Ihnen Kraft für den restlichen Tag.

Natürlich müssen Sie immer unplanbare Faktoren wie ein krankes Kind, ein verbrannter Kuchen, für den schnell ein Ersatz gemacht werden muss oder die spontane Frage, ob die Tochter bei ihrer Kindergartenfreundin schlafen darf in Ihre Planungen einkalkulieren.

Solche Ereignisse werfen dann natürlich den ganzen Tagesplan durcheinander. Das muss aber nicht schlimm sein und wenn Sie in Ruhe umdenken, kommt das kranke Kind ins Bett, der Kuchen wird schnell zusammengerührt und kann backen, während Sie die Sachen für die Übernachtung zusammenpacken. Wichtig ist, dass Sie einen kühlen Kopf bewahren und in Ihrer Alltagsplanung flexibel bleiben.  Noch mehr Tipps rund ums Zeitmanagement in der Familie gibts auf mamiweb.


Bildnachweis: ©: Fotolia- Titelbild: Ursula Deja-#01: beeboys-#02: DOC RABE-#03: Rido -#04:Tyler Olson

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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